Die Kollaborationslücke: Warum Banken, Versicherungen und Makler immer noch nicht zusammenarbeiten
Sie sind alle Teil derselben Transaktion. Warum verhalten sie sich dann immer noch wie Fremde?
Wenn du in der Schweiz eine Immobilie kaufst oder verkaufst, hast du mit einer Bank, vielleicht einer Versicherung und auf jeden Fall einer Immobilienmakler:in zu tun. Und doch arbeiten sie selten wirklich zusammen.
Zwar gibt es Übergaben, Lead-Weitergaben und Markenpartnerschaften. Man hört vielleicht: „Wir arbeiten mit diesem Versicherer zusammen ..." oder „Hier ist eine vertrauenswürdige Agentur, die du kontaktieren kannst ..." Aber im Alltag, in der Art, wie sie tatsächlich rund um die Kund:innen arbeiten, sind sie noch weit voneinander entfernt.
Das Resultat: doppelte Arbeit, Verzögerungen, verlorenes Geschäft und frustrierte Kund:innen.
Wie „Zusammenarbeit“ heute aussieht
Derzeit ist die häufigste Art der Zusammenarbeit die Weitergabe von Leads.
Banken senden manchmal Verkaufs-Leads an Agenturen. Einige Versicherer bieten Pakete an, die Makler:innen empfehlen können. Manche Banken haben sogar interne Teams für Immobiliendienstleistungen.
Aber wenn es darum geht, wirklich gemeinsam an einem Fall zu arbeiten – einer Kund:in beim Verkauf, bei der Finanzierung, Versicherung und Planung zu helfen –, endet die Zusammenarbeit meist beim Händedruck.
- Du wirst nicht erleben, dass sich eine Maklerin und eine Bank frühzeitig auf einen angemessenen Preis einigen.
- Du wirst nicht erleben, dass eine Versicherung einer Verkäuferschaft proaktiv bei der Vorbereitung von Unterlagen hilft.
- Du wirst nicht einmal einen gemeinsamen Ort für grundlegende Informationen zur Immobilie, zum Status oder zu Zeitplänen finden.
Und genau da läuft es schief
Wenn es keine echte Zusammenarbeit gibt, tauchen vorhersehbare Probleme auf.
Banken verlieren Hypotheken, wenn eine Immobilie verkauft wird, weil sie nicht eingebunden sind. Dieser Abfluss muss ausgeglichen werden, bevor überhaupt an Wachstum gedacht werden kann. Und Immobilienmakler:innen konkurrieren weiterhin um jeden Verkaufs-Lead – selbst wenn bereits Beziehungen zu den beteiligten Banken bestehen.
Dann kommt das operative Chaos:
Die gleiche Immobilie wird in mehrere Systeme eingegeben – das CRM der Maklerin, die Datenbank der Versicherung, die eigenen Bewertungstools. Leads gehen verloren, weil Finanzierung und Versicherung als separate Aufgaben behandelt werden statt als integrierte Schritte eines gesamtheitlichen Prozesses. Fehlkommunikation verlangsamt alles – von zu optimistischen Preisversprechen bis hin zu wiederholten Statusabfragen ohne echten Fortschritt.
Was steht der Zusammenarbeit im Weg?
Es ist nicht so, dass die Menschen nicht zusammenarbeiten wollen. Oft können sie es einfach nicht.
Ihre Tools sind für interne Zusammenarbeit gebaut, aber nicht organisationsübergreifend. Kulturelle Gewohnheiten sind schwer zu ändern – Immobilienmakler:innen und Bankberater:innen sind nicht daran gewöhnt, Seite an Seite zu arbeiten. Jede:r befürchtet, die Kontrolle über die Kundin zu verlieren, wenn Daten geteilt werden.
Das Ergebnis: Sie teilen nicht, stimmen sich nicht ab und bauen nichts gemeinsam auf.
Was Kund:innen wirklich vermissen
Kund:innen erwarten nicht, dass jemand alles für sie erledigt. Sie erwarten aber, dass die Zusammenarbeit reibungsloser verläuft – ohne ihre Situation mehrfach erklären oder herausfinden zu müssen, mit wem sie als Nächstes sprechen sollen. Und sie möchten nicht jeden Schritt wiederholen, Daten erneut eingeben oder ständig prüfen, wer wofür verantwortlich ist.
Stattdessen bekommen sie oft eine Checkliste und müssen ihren eigenen Weg finden – eine Übergabe nach der anderen.
Wie echte Zusammenarbeit aussehen könnte
Stell dir vor, es würde anders laufen:
Die Bank sieht, dass die Hypothek ausläuft und die Kundin teilt die Verkaufsabsicht im Gespräch. Dank der Zusammenarbeit kann die Bank eine vertrauenswürdige Agentur empfehlen, basierend auf Qualität und Service.
Wenn die Immobilie erfasst wird, kann die Bank einige Basisdaten teilen, die sie bereits kennt. Die Kundin muss sie nicht erneut zusammensuchen.
Während das Inserat online geht, kann die Bank ihrem Netzwerk exklusiven Zugang bieten. Und sie kann echten Mehrwert liefern: kein Factsheet, sondern einen vorab geprüften Finanzierungsweg – damit Käufer:innen wissen, was realistisch ist, und ihre Finanzierungsgespräche einfacher starten.
Wenn Verhandlungen beginnen, wird die Bankberater:in hinzugezogen, um Finanzierungsfragen zu klären. Und sobald eine Käuferin gefunden ist, geht alles effizient voran, weil die richtigen Personen den Fall bereits kennen.
Gleichzeitig hat die Agentur weitere qualifizierte Suchende identifiziert, wodurch die Bank zum richtigen Zeitpunkt die passende Finanzierungsberatung bieten kann.
Die Voraussetzungen dafür sind vorhanden. Was fehlt, ist die Koordination.
Ein Blick auf das Mögliche
Einige Anbieter testen das bereits. Agenturen arbeiten enger mit Banken zusammen. Versicherer integrieren Dienstleistungen in den Hausverkauf. Es ist noch selten und nicht systematisch, aber das Interesse wächst.
Sobald diese Kooperationen erst einmal strukturiert, wiederholbar und sicher werden, verändert sich die Erfahrung für alle Beteiligten.
Abschliessender Gedanke
Die Kollaborationslücke verlangsamt nicht nur Prozesse. Sie ist ein strukturelles Problem, das für Kund:innen Verwirrung schafft und für Banken wie Makler:innen Kosten generiert.
Sobald die richtigen Personen zusammenarbeiten, fühlt sich ein Immobilienverkauf nicht mehr nur wie eine Abfolge von Übergaben an.
Die Frage ist nicht, ob Zusammenarbeit möglich ist, sondern wann sie startet.
Geschrieben von Fabio Mosimann – ja, genau der Typ aus dem Haftungsausschluss, Mitbegründer von Gridwork und Brixel. Wenn das aktuelle System gut funktionieren würde, müsste ich das hier nicht schreiben.